WACHE UND BETE

„Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist, und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen“ (Eph. 6:18). Der Wendung „wachet hierzu“ in diesem Vers sollten wir besondere Aufmerksamkeit widmen. Auf was bezieht sich „hierzu“? Wenn wir den Zusammenhang lesen, erkennen wir, dass es sich auf Gebet und Flehen bezieht. Der Apostel sagte, dass es nicht genug ist, zu jeder Zeit mit allem Gebet und Flehen zu beten, sondern wir müssen im Hinblick auf das Gebet und Flehen auch wachsam sein. Einerseits müssen wir beten, und andererseits müssen wir wachsam sein. Was heißt das, wachsam zu sein? Wachsam sein heißt, wach zu sein, zu beobachten und zu überwachen, indem man seine Augen offen hält. Wachsam sein heißt, vor jeder Gefahr oder vor jedem Notfall auf der Hut zu sein. Im Gebet und Flehen wachsam zu sein heißt, die geistliche Einsicht zu haben, um die listigen Anschläge Satans zu erkennen und sein Ziel und die Methode seines Vorgehens bloßzustellen. Wir wollen einige Dinge ausdrücklich erwähnen, auf die wir im Hinblick auf das Gebet und Flehen besonders achten sollten.

Gebet ist eine Art des Dienstes, und diesem sollte die höchste Priorität eingeräumt werden. Doch Satans Strategie besteht darin, alles, was im Zusammenhang mit dem Herrn steht, vor das Gebet zu stellen und dieses zu der Sache zu machen, welche die geringste Bedeutung hat. Trotz der Tatsache, dass wir immer wieder an die Wichtigkeit des Gebetes erinnert worden sind, widmen wir diesem doch keine besondere Aufmerksamkeit. Viele Menschen sind zwar davon begeistert, an Versammlungen mit einer Predigt teilzunehmen, an Versammlungen zum Bibelstudium oder an anderen Versammlungen der Gemeinde. Sie sind an diesen Versammlungen interessiert und nehmen sich Zeit dafür. Doch wenn eine Gebetsversammlung angesetzt ist, dann ist die Zahl der Teilnehmer erstaunlich gering. Trotz vieler Predigten, die uns daran erinnern, dass unser hauptsächlicher Dienst das Gebet ist, und dass alles andere ein Versagen wird, wenn wir in unserem Gebetsleben versagen, so vernachlässigen wir das Gebet immer noch und betrachten es als etwas, das recht entbehrlich ist. Trotz der Tatsache, dass sich Probleme auf häufen, und wir mit unserem Mund anerkennen, dass Gebet der einzige Weg zu ihrer Lösung ist, so reden wir doch mehr als wir beten, wir sorgen uns und nehmen doch mehr Zuf lucht zu Methoden als zum Gebet. Kurz gesagt, alles kommt vor dem Gebet, alles ist wichtig; doch das Gebet wird immer an die letzte Stelle gesetzt und wird als am wenigsten wichtig angesehen. Ein Bruder, der eine tiefe Erkenntnis des Herrn hatte, sagte einmal: „Wir alle haben die Sünde der Vernachlässigung des Gebetes begangen. Wir müssen alle zu uns selbst sagen: Du bist der Mann!“ In der Tat müssen wir alle zu uns sagen, dass wir dieser Mann sind! Wir können nicht diesen oder jenen rügen, weil er nicht betet, sondern wir selbst müssen Buße tun. Der Herr muss unsere Augen öffnen, damit wir die Wichtigkeit und den Wert des Gebetes von neuem sehen. Zur gleichen Zeit müssen wir erkennen, dass wir im Hinblick auf das Gebet nicht so nachlässig gewesen wären, wenn uns Satan nicht so betrogen hätte. Daher müssen wir wachsam sein, die listigen Anschläge Satans entdecken und seine Ränke herausfinden. Wir dürfen ihm nicht erlauben, zu bewirken, dass wir entspannt oder blind sind.

Nachdem wir die Wichtigkeit des Gebetes verstehen und uns geweiht haben, im Gebet zu dienen und zu arbeiten, werden Satans Angriffe über uns kommen, und zwar einer nach dem anderen. Wir werden die Empfindung haben, dass wir keine Zeit finden können zu beten. Während wir zu beten beabsichtigen, wird jemand an unserer Haustür klopfen oder wird zur Hintertür hereinkommen, entweder werden die Erwachsenen argumentieren oder die Kinder werden Probleme bereiten; entweder wird jemand krank werden oder jemand begegnet ein Unfall. Bevor wir uns vorgenommen hatten zu beten, war alles in Frieden, doch wenn wir eine spezielle Gebetszeit haben wollen, werden sofort viele Dinge eins nach dem anderen auf uns zukommen. Viele unerwartete und unvorhersehbare Dinge werden auf uns eindringen wie eine Armee, die im Hinterhalt lauert. Zahllose Probleme werden auf uns zukommen und uns vom Beten abhalten. Viele Dinge werden uns in den Weg kommen und versuchen, die Gebetszeit zu verdrängen. Geschehen alle diese Dinge zufällig? Nein, sie geschehen nicht zufällig, sondern es handelt sich um eine geplante und schon vorher angeordnete Strategie Satans, um uns vom Beten abzuhalten. Er kann uns sogar ermutigen, viele Dinge zu tun, aber er wird versuchen, unsere Gebetszeit auszumerzen. Er weiß, dass ein geistliches Werk nicht viel Wert hat, und das Ergebnis schließlich ein Fehlschlag sein wird, es sei denn, es ist auf dem Fundament des Gebetes gebaut. Daher besteht seine Strategie darin, zu bewirken, dass wir mit anderen Dingen beschäftigt sind und das Gebet vernachlässigen. Wir sind beschäftigt mit der Arbeit, mit Besuchen, mit der Bereitstellung von Unterkünften und der Vorbereitung von Predigten. Wir sind den ganzen Tag bis zu dem Ausmaß geschäftig, dass das Gebet in die Ecke gedrängt wird und wir nicht viel Zeit zu beten haben.

Lasst mich wieder die Worte des Bruders zitieren, welcher den Herrn auf eine tiefe Weise kannte:

Als die Kinder Israel planten, Ägypten zu verlassen, war die Reaktion Pharaos, ihrer Arbeit eine noch größere Last hinzuzufügen. Es war Pharaos Ziel, dass sie ihrer Arbeit noch mehr Aufmerksamkeit und schließlich alle ihre Aufmerksamkeit widmen mussten, damit sie keine Zeit mehr finden könnten, über das Verlassen Ägyptens nachzudenken. Nachdem du dich entschlossen oder geplant hast, ein reicheres Gebetsleben zu führen, wird Satan eine neue Strategie beginnen. Er wird dich noch mehr beschäftigen und wird dir Arbeit und Bedrängnisse auf häufen, dass du keine Zeit und keine Gelegenheit mehr finden wirst, zu beten. Liebe Brüder, wir müssen gegen dieses Problem auf bestimmte Weise vorgehen. Natürlich mag es im Kampf um unsere Gebetszeit im Hinblick auf unsere Verantwortung, Pf licht und verschiedene Verpf lichtungen einen gewissen Streit geben. Einige denken vielleicht, dass wir unsere Verpf lichtungen vernachlässigen, unsere Pf licht aufgeben und unsere Verantwortung schädigen würden, wenn wir uns dem Gebet widmen. Begegnen wir jedoch solchen Situationen, dann sollten wir alle diese Probleme, das heißt unsere Verpflichtungen, Pflicht und Verantwortung dem Herrn bringen und beten. (Es ist jedoch nicht einfach, ein Gebet dieser Art auf jeden Gläubigen anzuwenden. Außerdem kann ein solches Wort oft Missverständnisse verursachen, weil einige Leute darüber sehr glücklich sind, ihre Verantwortung aufzugeben, und sie werden sich um ihre eigenen Verantwortlichkeiten nicht mehr ernstlich kümmern. So werden sie sehr glücklich und leicht ihre Familienverantwortlichkeiten auf andere abschieben, um zum Beten Zeit zu haben. Möge der Herr unsere Worte schützen, damit sie kein solches Missverständnis verursachen.) Wir müssen verstehen, dass der Feind versucht, Verantwortung, Verpf lichtungen und andere Dinge zu benutzen, die das Gewissen berühren, um den besten Grund zu erzeugen, um uns damit vom Beten abzuhalten. Wenn wir herausfinden, dass unser Gebetsleben völlig zunichte gemacht ist oder einen so begrenzten Raum einnimmt, dass wir völlig hilf los werden, ein geistliches, abgesondertes und überwindendes Leben zu führen, sollten wir unter diesen Umständen zum Herrn beten: „Herr, während ich bete, will ich Dir meine Verantwortung anvertrauen. Erlaube nicht, dass mich irgendetwas aufhält oder meine Gebetszeit schädigt. Bewahre mir bitte diese Stunde Gebet, denn während einer solchen Zeit ist Deine Herrlichkeit meine Betrachtung; und erlaube Satan nicht, in diese Stunde einzudringen.“ Wir können auch das Prinzip des Zehntengebens auf das Gebet anwenden. Nachdem wir Gott den Anteil nach der Position als Opfer dargebracht haben, den Er verdient und Ihm den Zehnten gegeben haben, werden wir entdecken, dass wir die anderen neun Zehntel unserer Zeit wirksamer nutzen können als das vorher der Fall war, als wir alle unsere Zeit für uns selbst benutzt und dem Herrn nicht den Zehnten davon gaben. Das Prinzip des Zehntengebens ist sehr wirksam. Jedoch sollten wir uns des Kampfes immer bewusst sein, der mit dem Gebet verbunden ist. Wir müssen mit aller Kraft und unerschütterlich auf unserer Position in Christus stehen und sollten dem Sieg des Kreuzes entsprechend beten. Wir müssen für das Gebet kämpfen, indem wir den vollkommenen Sieg anwenden, den der Herr am Kreuz gewonnen hat; und wir müssen den Feind von jedem Grund austreiben, den er im Gebet vielleicht noch einnehmen mag, so dass wir unsere Position im Gebet bewahren können. Dies ist wie Schamma, einer der mächtigen Männer Davids, welcher mitten auf einem Acker voller Linsen stand, diesen verteidigte und die Philister schlug. So wirkte der Herr einen großen Sieg (2.Sam. 23:11-12). Dieser Acker voller Linsen bezeichnet unsere Position im Gebet; er muss durch den Sieg von Golgatha gegen das Eindringen des Feindes geschützt werden. Diese Art Kriegführung, die zum Gebet führt, ist eine Kriegführung für das Gebet. Ich fürchte, dass wir oftmals die Umgebung angenommen und es zu bestimmten Zeiten als unmöglich angesehen haben, zu beten. Weil Dinge geschehen und sich in bestimmter Weise entwickeln, denken wir, dass wir zu dieser Zeit nicht beten können. Wenn wir aber dem Teufel Boden überlassen, werden in der Tat immer Dinge geschehen, die uns vom Beten abhalten. Dies ist die Strategie des Teufels. Auf dem Kampffeld des Gebetes müssen wir durch den Namen des Herrn und gemäß dem Sieg Seines Kreuzes alle Hinderungen wegräumen. Das Kreuz kann so auf wirksame Weise für uns Zeit zum Gebet gewinnen, wie es auch auf anderen Gebieten wirksam ist, wenn wir nur wissen, wie wir die Kraft Seines Sieges anwenden können.

Die obigen Worte können für uns eine große Erinnerung und Warnung sein. Geschwister, wir müssen für die Gebetszeit kämpfen, und wir müssen eine Zeit zum Beten sicherstellen. Wenn wir warten, bis wir zum Beten Zeit haben, werden wir niemals die Gelegenheit zum Beten finden. Wir müssen eine Zeit zum Gebet beiseite setzen. Andrew Murray sagte: „Diejenigen, die zum Beten keine festgesetzte Zeit haben, beten nicht.“ Daher müssen wir wachsam sein und die Zeit zum Beten sicherstellen. Diese Zeit müssen wir auch mit Gebet bewahren, damit sie der Teufel nicht durch seine Verführung an sich reißt.

Wir müssen jedoch nicht nur wachsam sein, um die Gebetszeit zu bewahren, sondern wir müssen auch wachsam sein, während wir beten, damit wir beten können und auch Anliegen haben, wofür wir beten. Satan wird uns nicht nur durch alle möglichen Dinge und äußere Umstände belästigen, wodurch auf uns Zwang ausgeübt wird, so dass wir keine Zeit zu beten haben, sondern selbst nachdem wir uns tatsächlich zum Beten niedergekniet haben, wird er Irreführung aller Art benutzen, um uns vom Beten abzuhalten. Bevor wir beten, mag unser Verstand sehr klar und unsere Gedanken geordnet sein, doch sobald wir uns zum Beten niederknien, werden unsere Gedanken verwirrt. Wir fangen an, uns an Dinge zu erinnern, an die wir uns nicht zu erinnern brauchen; und wir fangen an, an Dinge zu denken, über die wir nicht vor der Zeit nachdenken sollten. Viele unnötige Gedanken stürmen plötzlich herein. Bevor wir beteten, geschah uns nichts dergleichen, doch sobald wir beten, kommen sie, um uns abzulenken. Äußerlich scheint alles in Frieden zu sein, und es scheint nichts vorzuliegen, das uns beunruhigt, doch sobald wir niederknien um zu beten, fangen wir an, Stimmen zu hören. Eigentlich kommen solche eigenartigen Geräusche nicht von außerhalb, sondern sie entstehen auf sonderbare und unerklärliche Weise, um unser Gebet zu stören. Wir fühlen uns vielleicht sehr stark, bevor wir beten, doch sobald wir zum Beten niederknien, fühlen wir uns müde und unfähig, uns aufrecht zu halten, obwohl wir keinen Schlafmangel haben. Diese Müdigkeit befällt uns nicht, wenn wir nicht beten, aber sobald wir beten, fühlen wir uns müde und wollen schlafen. Manchmal können wir sogar plötzlich Symptome einer Krankheit spüren, die wir gar nicht hatten. Vielleicht wollen wir durch das Gebet eine Last loswerden, doch wenn wir niederknien, um zu beten, können wir kein einziges Wort herausbringen. Es scheint so, als ob wir erstickt sind und nicht beten können. Offensichtlich gibt es viele Dinge, worüber wir beten sollten, doch sobald wir anfangen zu beten, werden wir wie betäubt und kalt und haben gar nicht die Empfindung, dass wir ein Gebetsanliegen hätten. Selbst wenn wir beten, ist es so, als redeten wir in die Luft, und nach zwei oder drei Sätzen gehen uns die Worte aus. Wir befanden uns in keinem der oben erwähnten Zustände bevor wir anfingen zu beten. Erst wenn wir uns zum Beten niederknien, kommen sie alle plötzlich über uns. Erkennen wir nicht, dass dies Satans Betrug ist, um unser Gebet zu zerstören, dann wollen wir gleich aufhören zu beten und stehen kurz nachdem wir uns niedergekniet haben wieder auf. Um daher ernstlich und gründlich zu beten und unsere Last durch das Gebet zu befreien, müssen wir in unserem Gebet wachsam sein. Wir müssen wachsam sein, um den Situationen zu widerstehen, die uns vom Beten abhalten wollen. Dies macht es erforderlich, dass wir den Kampf kämpfen. Bevor wir beten, müssen wir Gott bitten, uns zum Beten zu befähigen. Während wir beten, müssen wir Ihn bitten, uns ohne Ablenkung im Gebet zu erhalten und uns von allem Betrug des Feindes zu erlösen, der uns vom Beten abhält. Wir müssen zu allen ablenkenden Gedanken und Stimmen sowie zu aller Schwachheit und Krankheit reden und erklären, dass all diese unerklärlichen Dinge Lügen und Verführungen Satans sind, und dass wir uns ihnen entgegenstellen. Wir müssen unseren Mund auftun und sie wegjagen, und sollten ihnen überhaupt keinen Boden geben. Sind wir wachsam und widerstehen den Listen Satans durch Gebet, dann werden wir nicht nur in der Lage sein zu beten, sondern wir werden auch in der Lage sein, ernstlich zu beten.

Um ernstlich und kraftvoll zu beten, dürfen wir nicht vergeblich hoffen, wir könnten bequem in dieses Gebetsleben hineingleiten, und wir könnten uns einfach nach unserer Vorstellung in dieses Gebetsleben hineintreiben lassen. Vielmehr müssen wir lernen, wir müssen gebrochen werden, und wir müssen kämpfen, bevor wir zu einem Gebet dieser Art gelangen können.

Während unseres Betens müssen wir uns auch gegen Gebete schützen, die gar keine Gebete sind. Satan will nämlich nicht nur unsere Gebetszeit wegnehmen, sondern er will uns auch die Kraft zu beten abstreifen. So wird er hereinkommen – selbst während wir beten – und uns dazu bringen, viele zusammenhangslose, verwirrte, unwichtige und vergebliche Worte zu reden. Damit wird er bewirken, dass wir vergeblich bitten und unsere Gebetszeit vergeuden. Er wird versuchen, unsere Gebetszeit einzunehmen, so dass die Wirkung unseres Gebetes zunichte wird. Viele f leischliche, alte, lange, weltliche, herzlose und ziellose Gebete sind zeitraubend und vergeblich. Es hat vielleicht den Anschein, als ob wir aus Gewohnheit beten, aber eigentlich sind in diesen Gebeten Vorschläge, Anregungen und Verführungen Satans enthalten. Wenn wir daher nicht wachsam sind, wird unser Gebet bedeutungslos und fruchtlos. Ein Bruder erwähnte eine Geschichte, die er in der Biographie von Evan Roberts las. Einmal waren einige Menschen in seiner Wohnung und beteten für etwas. Als ein Bruder noch am Beten war, ging Herr Roberts zu ihm hinüber, hielt ihm den Mund zu und sagte: „Bruder, nicht weiter! Du betest nicht.“ Der Bruder, der diese Geschichte las, sagte sich: „Wie konnte Herr Roberts dies tun?“ Doch später erkannte er, dass Roberts Recht hatte. In unseren Gebeten werden viele Worte vom Fleisch durch die Anregung Satans gesprochen. Diese Gebete mögen vielleicht lang sein, doch viele von ihnen sind unpraktisch und nutzlos. Geschwister, dies ist eine Tatsache. Oftmals scheinen wir in unserem Gebet um die ganze Welt zu kreisen. Die Zeit ist vergeudet und die Kraft ist erschöpft, doch zum eigentlichen Punkt wurde noch gar nichts gebetet. Dann können wir nicht erwarten, dass Gott ein solches Gebet erhört. Ein Gebet dieser Art hat keinen geistlichen Wert. Wenn wir daher beten, müssen wir wachsam sein und nicht zu viel Zeit verbringen oder zu viele Gründe anführen. Vielmehr sollten wir das, was in unserem Herzen ist, in aufrichtiger Weise zu Gott reden. Niemals dürfen wir unser Gebet mit vielen leeren Worten anfüllen.

Wir müssen auch wachsam sein, dass wir nicht lose reden, wenn wir beten. Ein Mann, der im Gebet sehr erfahren war, schrieb einmal ein Lied. In diesem Lied handelt eine Linie vom Gebet. Dort heißt es, wenn man zu Gott beten will, soll man zuerst darüber gut vorbereitet sein, was man eigentlich von Gott möchte. Geschwister, wenn wir niederknien, um zu beten, aber nicht wissen, was wir eigentlich wollen, wie können wir dann erwarten, dass Gott unser Gebet erhört? Ist unser Gebet ziellos und herzlos, dann ist es kein Gebet. Satan wird dies benutzen und bewirken, dass wir denken, wir hätten gebetet, aber eigentlich haben wir überhaupt nicht gebetet. Daher müssen wir wachsam und auf der Hut sein. Jedes Mal, wenn wir zum Gebet vor Gott treten, müssen wir wissen, was wir in unserem Herzen wollen. Haben wir kein Verlangen, dann haben wir auch kein Gebet. Alle Gebete werden von unserem Verlangen regiert. Unser Herr achtet auch darauf. So f lehte der blinde Bartimäus den Herrn an und sprach: „Sohn Davids, Jesus, erbarme Dich meiner!“ Der Herr fragte ihn: „Was willst du, dass Ich dir tun soll?“ (Mk. 10:47, 51). Der Herr fragt auch heute: „Was willst du, dass Ich dir tun soll?“ Kannst du diese Frage beantworten? Einige Geschwister beten zehn oder zwanzig Minuten. Wenn du sie nachher fragst: „Um was hast du Gott denn gebeten?“ sind sie vielleicht nicht in der Lage, dir irgendetwas zu sagen. Obwohl sie in ihrem Gebet vielleicht viel gesagt haben, so wissen sie doch nicht einmal, was sie gebeten haben. Dies ist ein Gebet ohne ein Verlangen, ein zielloses Gebet, das nach Gottes Sicht nicht gezählt wird. Wir müssen wachsam sein und uns vor Gebeten dieser Art hüten.

Wenn wir beten, müssen wir nicht nur ein Verlangen, sondern auch die Worte haben, um das Verlangen zum Ausdruck zu bringen. Manchmal haben wir ein bestimmtes Verlangen und möchten etwas, doch je mehr wir davon reden, desto weiter scheint es sich zu entfernen. Wir müssen auch wachsam sein, uns gegen dieses zu schützen. Satans Strategie besteht entweder darin, uns abzuhalten, dass wir überhaupt nicht beten oder uns vorwärts zu drängen während wir beten, und je mehr wir dann beten, desto mehr sind wir verloren. Daher müssen wir wachsam sein, wenn wir beten, damit unsere Worte nicht vom Zentrum abweichen. Entdecken wir, dass unsere Worte abgewichen sind, sollten wir gleich wieder zurückkommen. Wir müssen darauf achten, in die richtige Richtung zu zielen und darin beständig sein, unnötige Worte zu vermeiden; und wir müssen uns davor schützen, solche Gebete zu beten, die überhaupt keine Gebete sind. Im Gebet müssen wir wachsam sein und Satan nicht erlauben, unser Gebet durch seinen Betrug zu unterbrechen. Wenn wir ein wenig versagt haben, wird Satan uns oft anklagen und bewirken, dass wir uns selbst genau untersuchen, während wir beten, so dass wir Gott gegenüber unseren Mund nicht öffnen können. Wenn Gottes Antwort weit entfernt zu sein scheint, wird Satan bewirken, dass wir enttäuscht und entmutigt sind, und er wird unsere Kraft wegnehmen, auf Gott zu warten. Geschwister, soll unser Gebet nach Gottes Willen sein, dann müssen wir in diesem Gebet bis zum Ende ausharren. Selbst wenn wir versagen, können wir durch das Blut des Lammes vor Gott kommen. Daher soll sich Satan nicht an uns heranmachen. Vielmehr müssen wir so sein wie die Witwe, welche so lange bat, bis der Richter ihr Recht verschaffen musste (Lk. 18:7), und wir müssen so sein wie die Schunemiterin, die Elisa nicht verließ, bis er mit ihr ging (2.Kön. 4:30). Denn wir glauben, dass uns eine Verzögerung in der Erhörung eines Gebetes helfen kann, etwas zu erfahren, das wir vorher nicht kannten; und sie kann uns helfen, eine Lektion zu lernen, die wir nicht kannten. Niemals dürfen wir Satan erlauben, unser Gebet abzuschneiden oder zu schädigen.

Hier können wir mehr Lieder über die geistliche Kriegführung singen, wie zum Beispiel die Lieder 880, 775, 876 und 893 (nach engl. Hymns). Wenn einige von uns zusammen beten, wird Satan das nicht so leicht durchgehen lassen. Vielmehr wird er auf vielerlei Weise aktiv sein und mit List viele Pläne ersinnen, um solche Gebete zu beenden. Es gibt vielleicht unbegründete Gerüchte, falsche Berichte, grundlose Eifersucht, verwickelte Missverständnisse, unerklärliche Furcht und Wellen von Drohungen, die von nirgendwoher zu kommen scheinen. Dies alles steht unter der geheimen Leitung Satans und dient dem Zweck, irgendwie Spaltung zu verursachen, um diese Gebetsgemeinschaft zu erschüttern und dieses Gebet in Einheit zu zerstören. Geschwister, daher müssen wir alles prüfen (1.Thess. 5:21). An nichts dürfen wir leichtfertig glauben, dürfen uns nicht leicht erschüttern lassen und dürfen auch keine Worte leichtfertig weitergeben. Sind wir wachsam, dann werden wir herausfinden, dass viele unnötige und ungenaue Worte und Dinge Verführungen des Feindes sind. Denn sein Ziel ist es, zu bewirken, dass sich Gottes Volk fürchtet, geschwächt und sogar zerstreut wird. Daher müssen wir einerseits beten, doch andererseits müssen wir auf der Hut sein. Dem Beispiel Nehemias müssen wir folgen, der Tag und Nacht eine Wache aufstellte (Neh. 4:3). Unsere Anwort auf Satans Drohung ist: „Es ist nichts geschehen von diesen Dingen, die du behauptest, sondern aus deinem Herzen hast du sie erfunden … Ein Mann wie ich sollte davonlaufen? Und wer von meinesgleichen könnte in den Tempel hineingehen und am Leben bleiben? Ich gehe nicht mit hinein“ (Neh. 6:8, 11). Wir werden uns nicht fürchten; und wir werden auch nicht aufhören zu beten. Ein Bruder sagte: „Wie sehr brauchen wir einen Wächter, um uns gegen die Verführung des Teufels zu schützen, denn die Wege, die er benutzt, um das korporative Leben des Volkes Gottes zu zerstören, gehen weit über unsere Fähigkeit, zu zählen und aufzuzählen hinaus.“ Aus diesem Grund müssen wir wachsam sein, um diese Dinge zu prüfen und zu überblicken, damit Satan keine Gelegenheit findet, um uns zu spalten, unsere Einheit im Gebet zu zerstören oder unsere Gebete abzuschneiden.

Wir müssen in unserem Gebet auch wachsam sein, damit wir nicht der Verführung Satans verfallen, in unserem Gebet unbestimmt zu bleiben. Es gibt oft viele Dinge, die entschieden werden müssen, für viele Menschen muss gebetet werden, viele zentrale Botschaften müssen noch gegeben werden, und viele Probleme müssen gelöst werden. Jedoch wenn wir beten, scheinen wir an Gebetsanliegen Mangel zu haben. Wir finden kaum Worte für unser Gebet und schaffen es kaum, zwei oder drei Sätze zu vollenden. Dann müssen wir wissen, dass Satan gegenwärtig dabei ist, anzugreifen. Es ist wahr, dass wegen unserer Trägheit, sowie Furcht, verwickelt zu werden, wegen unseres Mangels an Liebe oder unserer Unwilligkeit, voranzugehen und gründlich zu sein, unsere Gebete manchmal zu einer Formsache werden. Doch oftmals wollen wir wirklich beten, wenn wir uns versammeln, doch nur sehr wenige Gebete werden dargebracht. Dies beweist, dass etwas Drohendes bevorsteht. Dies ist Satans Anschlag, um uns am Beten zu hindern. Sind wir wachsam, dann werden wir herausfinden, dass viele Fälle von Vergesslichkeit, Übersehen, Verzögerung und Achtlosigkeit nicht absichtlich geschahen, sondern vielmehr zieht uns Satan herunter, entmutigt, betrügt, bestiehlt und beraubt uns. Daher müssen wir uns seinen Anschlägen entgegenstellen. Wir müssen für Menschen, für Dinge, für die Wahrheit und für unsere Probleme ernstlich beten. Geschwister, wir müssen erkennen, dass ein hastiges, „geschäftliches“ Gebet oft ein achtloses Gebet ist, das sogar an Satan Boden abgibt. Wir dürfen das nicht dulden und müssen den Herrn bitten, uns an die Last und an alle Anliegen unseres Gebetes zu erinnern und uns auch das Ausdrucksvermögen zu geben, sie zu beten. Zur gleichen Zeit müssen wir auch gegen unsere eigene Faulheit und unser Zögern vorgehen. Unser Herr stand „frühmorgens … auf und … betete.“ Als Simon und diejenigen, die mit ihm waren, Ihm nacheilten und Ihm sagten: „Alle suchen Dich“, war Seine Antwort: „Lasst uns anderswohin … gehen … damit Ich auch dort predige, denn dazu bin Ich ausgegangen“ (Mk. 1:35-38). Wie bestimmt und gründlich ist unser Herr. Er ging auf einen Berg „um zu beten; und Er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott. Und als es Tag wurde, rief Er Seine Jünger herbei und erwählte aus ihnen zwölf, die Er auch Apostel nannte“ (Lk. 6:12-13). Wie bestimmt und wie gründlich ist dies! Als der Apostel Paulus die Heiligen in Ephesus daran erinnerte, im Gebet und Flehen wachsam zu sein, erwähnte er „Flehen für alle Heiligen und auch für mich, damit mir Rede verliehen werde, wenn ich den Mund öffne, mit Freimütigkeit das Geheimnis des Evangeliums bekannt zu machen … damit ich in Ihm freimütig rede, wie ich reden soll“ (Eph. 6:18-20). Dies ist ebenfalls sehr bestimmt und klar; es handelt sich um etwas, das viel Flehen erfordert. Wenn wir ein Leibbewusstsein haben und um die Seelen der Sünder, um die Angelegenheiten der Heiligen und um den Dienst der Diener des Herrn besorgt sind, wird es zahllose Dinge und Menschen geben, für die wir flehen müssen. Es muss auch zahlreiche Gebete für jede Wahrheit geben, die befreit werden soll. Beim Schreiben an die Heiligen in Ephesus sagte der Apostel Paulus: „Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater … Er gebe euch nach dem …“ (3:14-16). Hier sehen wir, dass die Offenbarung des Paulus der herrlichen Wahrheit aus dem Gebet kam, und dass die Offenbarung selbst Gebet ist. Daraus sehen wir, dass der wahre Wert des Lichtes der Wahrheit aus dem Gebet kommt. Wir sollten die Wahrheit in unser Leben hineinbeten und sie dann herausbeten. Über alle Wahrheiten, die wir gehört und gesprochen haben, sollten wir beten, damit diese Wahrheiten nicht nur in unserem Verstand oder in unserem Notizbuch bleiben, sondern in unserem Leben offenbar werden. Wieviele ganz bestimmte und gründliche Gebete sind dazu notwendig!

Hinter vielen Problemen steht eine Verwicklung mit dem Teufel und die Manipulation des Teufels. Sind wir jedoch nicht wachsam, dann werden wir denken, es handle sich lediglich um Probleme mit Menschen, Dingen oder Ereignissen. Haben wir aber geistliche Einsicht, dann werden wir sehen, dass das Werk des Teufels vorliegt, und wir werden alle Dämonen hinter diesen Dingen austreiben. Manchmal ist es jedoch der Fall, dass ein Dämon – wie der Herr sagte – nicht ausfährt „außer durch Gebet und Fasten“ (Mt. 17:21). Dies macht es erforderlich, dass wir einerseits wachsam sind und andererseits im Gebet verharren, sonst wird die Schwierigkeit wie ein Berg sein. Dann müssen wir entweder befehlen, dass er sich ins Meer wirft oder wir müssen um ihn herumgehen. Geschwister, lasst uns aufwachen. Wir müssen in einer gründlichen Weise beten, die Verführung Satans bloßstellen und alles zerstören, an das er sich hängt und was er manipuliert; und hinter allen Problemen müssen wir die Dämonen austreiben.

Nicht nur bevor und während wir beten müssen wir wachsam sein, sondern auch nachdem wir gebetet haben. Wir müssen wachsam sein und alle Veränderungen prüfen, die geschehen, nachdem wir gebetet haben. Ebenso müssen wir erkennen, dass alle ernsthaften Gebete und alle Gebete aus einer Last heraus nicht nur „mit allem Gebet“, sondern auch „zu jeder Zeit“ dargebracht werden; und zwar nicht nur einmal, sondern viele Male. Und es heißt auch nicht nur einmal mit allem Gebet, sondern zu jeder Zeit mit allem Gebet. Daher müssen wir auf jede neue Entwicklung, auf alle Veränderungen und jede Bewegung nach jedem Gebet achten. Als zum Beispiel Elia auf dem Berg Karmel betete, kniete er nieder und legte sein Angesicht zwischen seine Knie. Er bat auch seinen Diener, siebenmal auf das Meer Ausschau zu halten, bis er berichtete, dass er eine kleine Wolke aus dem Meer aufsteigen sah, wie die Hand eines Mannes. Dann gebot er seinem Diener, Ahab zu sagen, er sollte anspannen und hinunterfahren, damit der Regen ihn nicht aufhielte (1.Kön. 18:42-44). Dies kann man auch an Elisa sehen, als er für das Kind der Schunemiterin betete. Er legte sich auf das Kind, bis das Fleisch des Kindes warm wurde. Dann ging er wieder im Haus einmal hierhin, einmal dorthin und stieg wieder hinauf und beugte sich über das Kind, bis es siebenmal nieste und seine Augen aufschlug. Dann gab er das Kind seiner Mutter (2.Kön. 4:33-37). Elia oder Elisa knieten sich nicht nur nieder, um zu beten ohne irgendetwas Bestimmtes zu erbitten, sondern während sie beteten, beobachteten sie die Wirkung des Gebetes und die Veränderung in der Umgebung. Zum Beispiel betest du für jemand, der sich dem Herrn widersetzt, und du betest dafür, dass Gott ihn zum Glauben führen möchte. Du betest für ihn vielleicht mit allem Gebet und hast vielleicht auch Gottes Verheißung dafür. Aber die äußeren Umstände scheinen schlimmer zu werden, und vielleicht stellt er sich noch stärker dagegen. Ignorierst du dieses und betest gleich wie vorher weiter, dann genügt dies jedoch nicht. Vielmehr musst du dies feststellen und es dem Herrn sagen. Wenn du wachsam bist, wirst du von Ihm Licht empfangen. Vielleicht erkennst du, dass dein Gebet ihn beeinf lusst hat, und du kannst anfangen, Gott dafür zu preisen oder du kannst dein Gebet ändern und ein anderes Netz auswerfen. Vielleicht wird er nach einer bestimmten Zeit weicher, und du kannst dein Gebet dann wieder verändern, um noch ein weiteres Netz auszuwerfen. So müssen wir unser Gebet der Situation anpassen. Um dies zu tun, müssen wir wachsam sein.

Epheser 6 ist ein Kapitel über die geistliche Kriegführung. Das Wichtigste in diesem Kapitel ist das Gebet, das am Ende erwähnt wird. Bei den Kindern Gottes ist es nämlich das Gebet, das am leichtesten angegriffen wird. Aus diesem Grund müssen wir wachsam sein, um für eine Gebetszeit zu kämpfen, um das Gebet zu bewahren, um die Gebete zu beenden, die gar keine Gebete sind und um gegen Satans Strategie auf der Hut zu sein, der unser Gebet abschneiden möchte. Ebenfalls müssen wir uns daran erinnern, dass das Gebet ein Dienst ist, und zwar ein ausgezeichneter Dienst. Dazu müssen wir wachen und beten und gewissenhaft praktizieren, damit Satan keine Gelegenheit findet, unser Gebet zu zerstören.

Der Gebetsdienst der Gemeinde, Kap. 1, S. 85-99)

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