DER GOLDENE RÄUCHERALTAR (5)

Schriftlesung: 2.Mose 30:6-10, 26-28; 40:5, 26-27; Ps. 84:3; 141:2; Offb. 8:3-6

Das tiefste Sinnbild der Sinnbilder im Alten Testament ist wahrscheinlich der Räucheraltar in 2. Mose 30. Wenn wir dieses Sinnbild auch nur oberflächlich anschauen, werden wir sehen, dass es sich auf das Gebet bezieht. Sowohl im Alten auch im Neuen Testament bedeutet der Gott dargebrachte Weihrauch unser Gebet zu Ihm. Daher können wir in unserem Lesen der Bibel erkennen, dass der goldene Räucheraltar irgendwie mit dem Gebet zusammenhängen muss.

Wenn wir diese Zusammenhänge auf eine tiefere Weise betrachten, werden wir erkennen, dass sich der Räucheraltar eigentlich nicht auf unser Gebet bezieht, sondern vielmehr auf das Gebet Christi, denn der Altar selbst ist ein Sinnbild auf die Person Christi. Es ist nicht ein Sinnbild auf das Gebet Christi, sondern der Räucheraltar versinnbildlicht Christus, die Person, nicht Sein Gebet. Er bedeutet Christus, der betet, Christus, der einsteht.

Der individuelle Christus ist nach Seiner Auferstehung und besonders nach Seiner Auffahrt korporativ geworden. Daher steht heute vor Gott nicht nur der individuelle Christus ein, sondern der korporative Christus, das Haupt mit dem Leib, steht ebenso ein. Christus, das Haupt, steht in den Himmeln ein, und die Gemeinde, der Leib, steht auf Erden ein. Derjenige, der einsteht, ist daher nicht nur Christus selbst, sondern ist Christus mit Seinem Leib. Wenn wir uns dieses vergegenwärtigen, werden wir sehen, dass das, was durch den Räucheraltar dargestellt wird, etwas sehr Tiefes ist.

EINE TIEFE VORSTELLUNG

Wenn du das Schaubild zu Rate ziehst, das in Botschaft hundertneunundvierzig gedruckt ist, wirst du sehen, dass der Räucheraltar innerhalb der Stiftshütte stand. Der erste Altar, der Brandopferaltar, befand sich jedoch außerhalb der Stiftshütte im äußeren Vorhof. Die Bedeutung des Räucheraltars ist tiefer als die des Brandopferaltars. Wie wir darauf hingewiesen haben, bedeutet die Stiftshütte klar und bestimmt Gott selbst, in den wir hineingehen können. Da außerdem der Räucheraltar in der Stiftshütte steht, muss jeder, der am Räucheraltar beten möchte, in der Stiftshütte sein. Die Vorstellung hier ist tief. Aus diesem Grund sagen wir auch, dass die Bedeutung des Räucheraltars tiefgründig ist. In dieser Botschaft werden wir versuchen, einige Einzelheiten zu behandeln, die sich auf die Tiefe der Bedeutung dieses Altars beziehen.

Bei der Stiftshütte und dem äußeren Vorhof gibt es zwei Altäre: den Brandopferaltar und den goldenen Räucheraltar. Der Räucheraltar in der Stiftshütte ist für das Gebet, und der Brandopferaltar im äußeren Vorhof ist zum Darbringen der Opfer.

Angenommen, ein Sünder käme, um am Altar im äußeren Vorhof ein Sündopfer oder ein Übertretungsopfer darzubringen. Würde solch ein Mensch nicht beten? Ja, er würde sicherlich beten. Jenes Gebet, das Gebet am Altar am äußeren Vorhof, ist jedoch oberflächlich, denn es wird außerhalb von Gott dargebracht. Es ist nicht das Gebet, das in Gott dargebracht wird. Heute können viele Christen nur solch ein oberflächliches Gebet beten. Sie können nur auf der Grundlage des Blutes Christi beten, das am Kreuz vergossen wurde. Nicht viele Gläubige wissen, wie man solch ein Gebet betet, das am Räucheraltar dargebracht wird.

Die hauptsächliche Voraussetzung oder Bedingung dafür, am ersten Altar zu beten, besteht darin, dass wir Christus als unseren Ersatz darbringen, entweder als das Sündopfer für unsere Sünde oder als das Übertretungsopfer für unsere Übertretung.

Dies bedeutet, dass wir durch Ihn als den Gekreuzigten beten, der Sein Blut für unsere Erlösung vergoss. Wenn unser Gebet nicht weitergeht als dieses, können wir zwar zu Gott beten, aber wir beten nicht in Gott. Zu Gott zu beten ist eine Sache, aber in Gott zu beten ist etwas viel Tieferes. Dies ist etwas sehr Bedeutsames, das wir alle sehen müssen.

Ich hoffe, dass wir in dieser Botschaft etwas Tieferes, etwas nach der Erfahrung sehen werden. Ich möchte den Räucheraltar aber nicht nur auf eine lehrmäßige Weise betrachten. Diese Botschaft ist nicht einfach ein Bibelstudium über 2. Mose 30. Daher hoffe ich, dass der Herr uns etwas Tieferes zeigen wird, das sich auf den goldenen Räucheraltar bezieht.

In meiner Jugend besuchte ich die südbaptistische Kirche, die chinesische presbyterianische Kirche und die Versammlung der Brüdergemeine. Während der Jahre, als ich zu diesen Orten ging, hörte ich viele Gebete, die mit den Worten schlossen „durch das kostbare Blut des Herrn Jesus.“ Aber ich erinnere mich nicht, jemals ein Gebet gehört zu haben, das mit den Worten endete „im Namen des Herrn Jesus.“ Jene Gebete wurden am Altar im äußeren Vorhof dargebracht, nicht am Räucheraltar, weil die, welche so beteten, in ihrem Gebetsleben sehr oberflächlich waren. Sie waren in das tiefere Leben oder in das innere Leben nicht hineingegangen. Durch das Blut Christi am Kreuz zu beten ist oberflächlich, aber am Räucheraltar zu beten ist tief.

DAS BLUT UND DAS FEUER

Der Räucheraltar war mit dem Brandopferaltar hauptsächlich durch das Blut des Sündopfers verbunden. Zuerst wurde das Blut des Sündopfers am Altar im äußeren Vorhof vergossen. Dann wurde es zum Räucheraltar gebracht und auf diesen gesprengt. Das übrige Blut wurde am Fuß des Brandopferaltars ausgegossen. Daher verband das erlösende Blut die beiden Altäre. Dies weist darauf hin, dass das Gebet, das am Räucheraltar Gott dargebracht wurde, auf der Erfahrung des ersten Altars begründet sein sollte. Wenn wir einmal den ersten Altar erfahren haben, werden wir die Grundlage, den Standard und den Grund haben, zum zweiten Altar zu kommen, um zu beten.

Die zwei Altäre waren auch durch das Feuer verbunden. Das Feuer, das auf dem Altar im äußeren Vorhof brannte, wurde benutzt, um den Weihrauch auf dem Rächeraltar in der Stiftshütte zu verbrennen. Die zwei Altäre waren daher sowohl durch das Blut als auch durch das Feuer verbunden. Das Blut bedeutet, dass unsere Sünden und Übertretungen alle abgetan wurden. Die Sünde wurde weggenommen, und die Übertretungen wurden fortgetragen. Das Blut gibt uns die Gewissheit davon. Im Hinblick darauf gibt es für uns nichts mehr zu tun, denn das Blut hat das Problem der Sünde und der Übertretungen gelöst.

ZU ASCHE REDUZIERT

Aber worauf deutet das Feuer hin? Das Feuer weist darauf hin, dass alles, was wir sind, zu Asche reduziert werden muss. Wir müssen verbrannt werden, damit wir zu Asche werden.

Bestimmte Christen, besonders die von uns in der Wiedererlangung des Herrn, sprechen oft darüber, natürlich zu sein. Es gibt jedoch nur einen Weg für uns, nicht natürlich zu sein, und dieser Weg ist, dass wir zu Asche verbrannt werden. Wenn du noch nicht verbrannt worden bist, bist du immer noch natürlich. Angenommen, du hast einen hölzernen Tisch vor dir. Dieser Tisch existiert in seinem natürlichen Stand. Aber wenn er verbrannt wird und zu einem Haufen Asche wird, ist er nicht mehr natürlich. Dies veranschaulicht die Tatsache: Wenn etwas zu Asche verbrannt ist, dann ist es nicht mehr natürlich.

Ich maße mir nicht an, aus mir heraus zu sagen, dass alle Gläubigen an Christus Asche werden müssen. Dies ist das Verlangen des Herrn, nicht meines. Wenn einige hören: Der Herr Jesus möchte, dass wir zu Asche verbrannt werden, sagen sie vielleicht: „Christus ist der Eine, der durch Verbrennen zu Asche reduziert wird. Das Feuer auf dem Altar brennt Ihn, es brennt nicht mich.“ Wir müssen uns jedoch daran erinnern, dass nach der Vorbilderlehre der Opfernde Seine Hände auf das Opfertier legte und sich so mit jenem Opfer gleichsetzte. Dies bedeutet, dass das Opfer den Opfernden einschließt. Als Jesus am Kreuz starb, starben wir in Ihm, denn wir waren in Ihm eingeschlossen. Mindestens kann man sagen: Als wir an Ihn glaubten, legten wir unsere Hände auf Ihn. An Christus zu glauben heißt, unsere Hände auf Ihn zu legen. Da wir eins sind mit dem Christus, der zu Asche verbrannt wurde, werden wir daher ebenso zu Asche verbrannt.

Einige fragen nun vielleicht: „Wenn wir zu Asche verbrannt sind, wie sollen wir dann in der Lage sein zu leben?“ Paulus gibt die Antwort in Galater 2:20: „Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“ Der Tod Christi bringt jedoch die Auferstehung mit sich. Nun sind wir in Christus in Auferstehung, und nicht mehr leben wir, sondern Christus lebt in uns. Für die meisten Christen ist Galater 2:20 jedoch lediglich Lehre. Sie haben darin nicht viel praktische Erfahrung.

In der vorigen Botschaft wiesen wir darauf hin, dass wir bei den Sündopfern dreierlei sehen können: das Blut, die Asche und den lieblichen Wohlgeruch, der zu Gott aufsteigt. Das Blut und die Asche beziehen sich auf uns, während der liebliche Wohlgeruch für Gottes Zufriedenstellung ist. Dem Herrn sei Dank, dass wir heute das Blut als das Zeichen haben und die Gewissheit, dass unsere Sünde und unsere Übertretungen alle abgetan sind. Wir haben auch die Asche als ein Zeugnis dafür, dass wir gekreuzigt, beendet wurden. Wenn wir zu Asche werden, sind wir keine natürlichen Menschen mehr, sondern stattdessen sind wir gekreuzigt, beendigt, verbrannt. Wir sind keine natürlichen Menschen mehr, sondern wir sind zu einem Haufen Asche geworden. Dennoch gilt dies für die meisten von uns nur lehrmäßig; nach der Erfahrung gilt es noch nicht. Daher müssen wir weitergehen, um die Erfahrung zu haben, tatsächlich zu Asche reduziert zu sein.

Es ist bedauerlich, dass viele Christen nur das Blut kennen, das am Kreuz vergossen wurde. Sie sind sich dessen aber nicht bewusst, dass es am Kreuz auch Feuer gibt. Bei diesen Gläubigen gibt es Blut, aber keine Asche. Sie bleiben natürlich, unverbrannt. Sie sind sicher nicht zu Asche geworden. Wie können denn solche Gläubige am goldenen Räucheraltar in der Stiftshütte beten? Die Antwort ist, dass es für sie unmöglich ist, dort zu beten.

Als wir zum Glauben an den Herrn Jesus kamen, bekannten wir Gott unsere Sünden und beteten zu Ihm. Aber wir beteten am ersten Altar auf eine oberflächliche Weise. Weil wir nur für uns selbst beteten, kann dieses Gebet nicht als ein einstehendes Gebet angesehen werden. Es war ein persönliches Gebet für unsere Situation; es war kein Einstehen für andere. Am ersten Altar kann überhaupt kein Einstehen geschehen; dies muss am zweiten Altar getan werden. Aber wer kann denn am zweiten Altar beten? Die, welche am zweiten Altar beten, müssen zuerst zu Asche verbrannt sein; das heißt, sie dürfen keine natürlichen Menschen mehr sein. Jeder, der am Räucheraltar beten will, muss zu einem Haufen Asche werden.

Wenn wir in die Stiftshütte kommen, können wir jedoch nicht direkt zum Räucheraltar gehen. Wie wir schon darauf hingewiesen haben, müssen wir zum Schaubrottisch und dann zum Leuchter gehen und danach zur Lade des Zeugnisses im Allerheiligsten. Erst dann werden wir bereit sein, zum Räucheraltar zu kommen um einzustehen.

UNSER VERHALTEN, UNSERE SICHT UND UNSERE TUGEND

Unser Verhalten ist gegen Christus als Leben (das Brot des Tisches der Anwesenheit, des Schaubrottisches). Unsere Sicht ist gegen Christus als unser Licht (der Leuchter). Unsere Tugend ist gegen Christus als unser Weihrauch zu Gott (der Räucheraltar). Unser Verhalten, unsere Sicht und unsere Tugend entsprechen zusammen unserem natürlichen Sein, das gegen Christus als Gottes Zeugnis (die Bundeslade) ist. Wenn wir zu einem Haufen Asche geworden sind, werden wir dann immer noch unser natürliches Verhalten, unsere natürliche Sicht und unsere natürliche Tugend haben? Sicherlich nicht. Ein Haufen Asche hat kein Verhalten, keine Sicht und auch keine Tugend mehr. Was hat ein Haufen Asche? Er hat nichts. Zu Asche reduziert zu werden heißt, reduziert zu werden auf nichts, auf Null.

Solange wir denken, wir seien etwas und betrachten uns noch als etwas, sind wir nicht in der Stiftshütte, sondern befinden uns vielmehr außerhalb der Stiftshütte. Erinnerst du dich daran, was die Stiftshütte bedeutet? Die Stiftshütte bedeutet den Fleisch gewordenen Gott. Daher heißt in der Stiftshütte zu sein, in Gott zu sein. Nun müssen wir uns dessen bewusst sein, dass die Voraussetzung, um in Gott zu sein, darin besteht, dass wir zu nichts werden. Wir können nur in Gott sein, wenn wir zuerst zu Null werden. Aus diesem Grund möchte ich die Tatsache betonen, dass wir nicht in Gott sind, wenn wir weiterhin denken, wir seien etwas. Aber wenn wir zu nichts geworden sind, dann sind wir qualifiziert, in Ihm zu sein.

Wie wissen wir, dass wir immer noch etwas sind, und dass wir noch nicht zu nichts geworden sind? Wir wissen dies durch die Tatsache, dass wir immer noch unser natürliches Verhalten, unsere natürliche Sicht und unsere natürlichen Tugenden haben. Zum Beispiel hält ein Bruder sich vielleicht als sehr angenehm und freundlich. Insbesondere ein verheirateter Bruder betrachtet sich vielleicht selbst als viel angenehmer als seine Frau. Aber einer, der am Räucheraltar in der Stiftshütte betet, denkt von sich selbst so nicht. Der, welcher in der Stiftshütte am goldenen Räucheraltar betet, ist einer, der zu Asche geworden ist. Dies bedeutet, dass er seine natürliche Tugend nicht mehr hat. Neben seiner natürlichen Tugend sind sein natürliches Verhalten und seine Ansicht zu Asche geworden.

Wenn wir immer noch unser eigenes Verhalten, unser natürliches Verhalten haben, genießen wir Christus nicht als unser Brot. Wir können Ihn nicht als unsere Lebensversorgung genießen. Lasst mich euch versichern, dass das, was ich hier sage, nicht nur Lehre ist, sondern vielmehr ist es etwas, das ich durch Erfahrung gelernt habe. Aus Erfahrung weiß ich: Immer, wenn ich noch an meinem natürlichen Verhalten festhalte, habe ich nicht den Genuss Christi als meine Lebensversorgung.

Aus Erfahrung habe ich auch gelernt: Wenn ich immer noch die Empfindung habe, dass ich meine eigene Sicht, meine eigene Ansicht, meine eigene Erkenntnis über die Dinge habe, dann ist es mit mir vorbei mit Christus als meinem Licht. Ich kann Ihn dann nicht als meinen Leuchter erfahren. Christus kann von mir als mein Leuchter nur erfahren werden, wenn ich keine natürliche Sicht mehr habe.

Oft testen uns die Fragen, die uns andere stellen, im Hinblick auf unsere natürliche Sicht, Ansicht und Erkenntnis. Angenommen, du kommst zu mir und fragst mich über einen bestimmten Bruder oder eine bestimmte Gemeinde. Deine Frage wird für mich ein Test sein, und meine Antwort wird zeigen, ob ich immer noch meine natürliche Sicht habe. Wenn ich an meiner eigenen Sicht, Ansicht und Erkenntnis festhalte, wird Christus nicht mein Leuchter sein. Aber wenn ich nicht meine natürliche Sicht oder Ansicht habe, wird Christus auf sehr praktische Weise in meiner Erfahrung zu meinem Leuchter. Er wird mein Licht sein. Dann werde ich anstelle der natürlichen Sicht göttliches Licht haben. Ich werde das geistliche Licht haben, und dieses Licht ist Christus selbst.

Zu oft sehen wir die Brüder oder die Gemeinde nach unserer natürlichen Sicht an. Aber manchmal schauen wir die Dinge vielleicht nicht nach unserer natürlichen Sicht an, sondern durch Christus als unser Licht. Ein Mensch, der am zweiten Altar betet und einsteht, ist jemand, der anstelle seiner natürlichen Sicht geistliches Licht hat.

Außerdem hat jeder, der am Räucheraltar einsteht, Christus als seinen Weihrauch. Er hat nicht mehr seine natürliche Tugend. Bei solch einem Mensch ist Christus alles. Christus ist seine Lebensversorgung für ein rechtes Verhalten, Christus ist sein Licht für echte Sicht, Christus ist seine Tugend, damit er einen lieblichen Wohlgeruch haben kann, der zu Gott aufsteigt. Solch eine Person kann am Räucheraltar beten.

Nichts von dem, was wir am ersten Altar, dem Brandopferaltar im äußeren Vorhof beten, kann ein Einstehen sein. Aber alles, was wir am zweiten Altar, dem goldenen Räucheraltar in der Stiftshütte beten, wird ein Einstehen sein. Am zweiten Altar beten wir nicht viel für uns selbst, sondern stattdessen beten wir für Gottes Ökonomie, wir beten für Gottes Austeilung, wir beten für Gottes Vorangehen, wir beten für Gottes Wiedererlangung und wir beten für die Gemeinden und die Heiligen. Auf diese Weise stehen wir spontan ein.

Wenn wir am ersten Altar beten, ist es sehr schwierig, auf solch eine Weise zu beten, dass wir nicht von uns selbst oder unserer Situation eingenommen sind. Wenn wir jedoch am zweiten Altar beten, ist es sehr schwierig, von uns selbst eingenommen zu sein. Der Grund dafür, warum das Selbst in den Gebeten nicht verwickelt ist, die am Räucheraltar dargebracht werden, ist der, dass wir zuerst Asche werden müssen, um an diesem Altar zu beten. Am zweiten Altar einzustehen macht es erforderlich, dass wir zuerst zu nichts reduziert werden. Im Gegensatz dazu rufen die, welche am ersten Altar beten, oft laut zum Herrn wegen ihrer selbst. Vielleicht rufen sie zum Herrn um Seine Barmherzigkeit und bitten Ihn, ihnen wegen verschiedener Dinge zu helfen. Es ist sehr schwierig, außerhalb von uns selbst zu sein, wenn wir am ersten Altar beten. Das Gebet an diesem Altar ist voll von uns selbst. Aber zu der Zeit, wenn wir zum zweiten Altar kommen, sind wir durch das Kreuz, den Tisch, den Leuchter und die Bundeslade gegangen. Weil wir den Tisch erfahren haben, haben wir nicht mehr unser natürliches Verhalten, sondern stattdessen haben wir Christus als unsere Lebensversorgung. Weil wir zum Leuchter gekommen sind, haben wir nicht mehr unsere natürliche Sicht, sondern stattdessen haben wir Christus als unser Licht.

Nun müssen wir sehen, was wir erfahren, wenn wir zur Bundeslade kommen. Die Bundeslade bedeutet Christus als Gottes Zeugnis, das gegen unser natürliches Sein steht, das durch den Vorhang versinnbildlicht ist, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt. Wir müssen davon beeindruckt sein, dass der Vorhang unser natürliches Sein ist, und dass dieser Vorhang gegen die Bundeslade steht. Unser natürliches Sein ist eine Zusammensetzung aus unserem Verhalten, unserer Sicht und unserer Tugend. Dieses natürliche Sein ist der Vorhang, der gegen Christus als Gottes Zeugnis ist.

Bist du dir jemals vorher dessen bewusst geworden, dass der Vorhang, der die Bundeslade bedeckt, gegen diese Bundeslade ist, und dass er dein natürliches Sein bedeutet? Hier haben wir viererlei: unser natürliches Verhalten, unsere natürliche Sicht, unsere natürliche Tugend und die Zusammensetzung aus diesen dreien, unser natürliches Sein.

Lasst uns annehmen, dass ein bestimmter Bruder sich wie ein Ehrenmann verhält. Er ist ein sehr guter Ehemann und Vater. Außerdem hat er eine natürliche Sicht und scheint eine große Erkenntnis zu haben. Er ist auch voller Tugend. Viele würden solch einen Bruder als einen herausragenden Christen ansehen, denn er ist voll guten Verhaltens, voller Sicht und Tugend. Solch ein Christ ist jedoch völlig natürlich; denn er lebt nach seinem natürlichen Sein. Als ein Ergebnis kann er nicht in der Stiftshütte sein und am Räucheraltar beten. Solange er sich als einen guten Menschen ansieht, ist er von der Stiftshütte weit entfernt. Man kann sicher sein, dass er nicht in Gott ist.

Dies ist etwas, das ich durch die Jahre der Erfahrung erkannt habe. So hätte ich diese Botschaft vor dreißig Jahren nicht geben können, denn was ich zu jener Zeit aus Erfahrung gelernt hatte, wäre noch nicht angemessen gewesen. Die Lehren, die ich über den Räucheraltar gelernt hatte, waren rein lehrmäßig. Wie ich darauf hingewiesen habe, kümmere ich mich jedoch nicht darum, über den Räucheraltar nur auf eine lehrmäßige Weise zu reden, sondern meine Last ist, zu sehen, was der Räucheraltar auf die Weise der Erfahrung versinnbildlicht.

Was der Räucheraltar versinnbildlicht, ist sehr tief. Er deutet an: Wenn wir am Räucheraltar einstehende Gebete darbringen wollen, müssen wir Asche werden; das heißt, wir müssen zu nichts werden. Wenn wir zu Asche geworden sind, werden wir unser natürliches Verhalten, unsere natürliche Sicht oder unsere natürliche Tugend nicht mehr haben. Wir werden kein natürliches Verhalten haben, das Christus als unsere Lebensversorgung ersetzt, wir werden keine natürliche Sicht haben, die Christus als unser Licht ersetzt, und wir werden auch keine natürlichen Tugenden mehr haben, die Christus als unseren Weihrauch ersetzen. Dies bedeutet, dass wir nicht mehr natürlich sein werden. Daher wird es bei uns keinen Vorhang mehr geben. Anstelle des Vorhangs werden wir die Bundeslade haben, Christus als das Zeugnis Gottes. Als Ergebnis werden wir qualifiziert sein, am Räucheraltar einzustehen. Da wir durch die verschiedenen Stationen der Stiftshütte gewandert sind, können wir nun dazu kommen, am goldenen Räucheraltar zu beten und einzustehen.

Lebensstudium des 2. Buches Mose, Band 7, Botschaft 147, S. 1757-1766)

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