DER GOLDENE RÄUCHERALTAR (6)

Schriftlesung: 2.Mose 30:6-10; 40:5, 26-27; Ps. 84:3; 141:2; Offb. 8:3-6

Nachdem wir zum Brandopferaltar, dem Tisch, dem Leuchter und der Bundeslade gegangen sind, kommen wir am goldenen Räucheraltar an. Wenn wir zu diesem Altar kommen, ist unser einziger Geschmack, unser einziges Interesse nur noch zu beten.

IM EINSTEHEN MIT CHRISTUS EINS

Was für Gebete sollen wir denn am Räucheraltar darbringen? Sollen wir private oder persönliche Gebete beten? Nein, die Gebete, die wir am Räucheraltar darbringen, werden einstehende Gebete sein. Immer, wenn wir unseren Mund auftun, um am Räucheraltar zu beten, wird das Gebet, das hervorkommt, kein persönliches, individuelles Gebet, sondern ein einstehendes Gebet sein. Hier haben wir an uns selbst oder an unserem Wohlergehen überhaupt kein Interesse mehr. Anstatt uns selbst zu betrachten und für uns zu beten, stehen wir für andere ein. Zu jener Zeit werden wir in unserer Erfahrung wirkliche Glieder Christi sein, ein echter Teil des Leibes Christi, des korporativen Christus. Außerdem wird das die Zeit sein, wenn wir mit Christus in Seinem Dienst des Einstehens zusammenarbeiten. Er steht auf eine besondere Weise ein, und wir arbeiten mit Ihm auf Seine Weise des Einstehens zusammen. Dies bedeutet, dass wir Sein Einstehen in unseren Gebeten des Einstehens ausführen. Dies ist wunderbar. Hier sind wir in Wahrheit eins mit dem Herrn.

DAS ZIEL DER GÖTTLICHEN REISE

Beim Brandopferaltar im äußeren Vorhof gibt es eine Tiefe von bestimmter Art. Beim Tisch, beim Leuchter, bei der Bundeslade und beim Räucheraltar gibt es Tiefen anderer Art. Daher gibt es im Hinblick auf die Stiftshütte und auf den äußeren Vorhof mindestens fünferlei Arten von Tiefen. Der Grund dafür, dass heute nicht viele Gläubige am Räucheraltar beten, ist in der Sicht Gottes, dass sie all diese Tiefen nicht erfahren haben. Wie wir darauf hingewiesen haben, beten vielleicht viele am ersten Altar, aber am zweiten stehen nur wenige ein.

Um am zweiten Altar zu beten, müssen wir zuerst den Brandopferaltar erfahren. In unserer Erfahrung dieses Altars brauchen wir eine umfassende Vergegenwärtigung im Hinblick auf das Blut und die Asche. Dann müssen wir weitergehen, um das Brot auf dem Tisch zu erfahren, das Brot, welches Christus als unsere Lebensversorgung bedeutet. Danach gehen wir weiter zum Leuchter, der Christus als unser Licht bedeutet. Darauf folgend gehen wir zur Bundeslade, die Christus als Gottes Zeugnis bedeutet. Dieses Zeugnis steht gegen unser natürliches Sein. Nachdem wir den ersten Altar, den Tisch, den Leuchter und die Bundeslade erfahren haben, können wir zum Räucheraltar kommen und dort bleiben.

Wenn wir am Räucheraltar ankommen, sollten wir hier länger bleiben als an jedem anderen Ort im äußeren Vorhof oder in der Stiftshütte. Hier müssen wir immer wieder beten. Dieser goldene Räucheraltar ist das Ziel unserer göttlichen Reise. Diese Reise beginnt am Altar im äußeren Vorhof, geht über den Tisch, den Leuchter und die Bundeslade und hält am Räucheraltar. Weil die göttliche Reise hier anhält, müssen wir hier bleiben, um zu beten.

Wo bist du, wenn du betest? Du sagst vielleicht, du seist in Gott. Diese Antwort ist jedoch zu allgemein. Du musst einen bestimmten Ort angeben. Wo bleibst du, wenn du in Gott bist? Bleibst du am Tisch? Oder bleibst du am Leuchter oder an der Bundeslade? Es ist sehr gut, dass wir am Tisch, dem Leuchter und der Bundeslade Zeit verbringen. Aber wir sollten nicht an diesen Orten bleiben, weil sie nicht unser Ziel sind. Unser Ziel ist der Räucheraltar. Weil der Räucheraltar unser Bestimmungsort ist, sollten wir dort bleiben und im Gebet fortfahren, wenn wir einmal dort angekommen sind.

Wenn du mehr Erfahrung hast, wirst du völliger verstehen, was ich sage. Dann wirst du nach deiner Erfahrung das Gleiche sagen, und du wirst erklären: „Nachdem ich durch den Altar, den Tisch, den Leuchter und die Bundeslade gegangen bin, bin ich nun am Räucheraltar und stehe für Gottes Interessen, für die Gemeinden und für die Heiligen ein.“ Wenn wir am Räucheraltar bleiben, dann werden wir in Christus und mit Christus etwas haben, das zu Gott aufsteigt. Dies ist unser Gebet.

UNSERE PERSON WIRD DURCH UNSER GEBET OFFENBART

Unsere Gebete repräsentieren uns. Dies gilt sowohl für die Gebete am ersten als auch am zweiten Altar. Alles, was wir beten, wird uns repräsentieren. Die Art des Gebetes, das wir haben, hängt von der Art der Person ab, die wir sind, denn unsere Gebete offenbaren unsere Person. Wenn ein Dieb ein Gebet darbringt, dann würde sein Gebet sicherlich auf die Art der Person hinweisen, die er ist. Als der Apostel Paulus betete, betete er auf eine Weise, die seine Person repräsentierte. Gleicherweise weist das Gebet, das der Herr Jesus Gott dem Vater darbrachte, darauf hin, was der Herr in Seiner Person ist. Keiner von uns ist eine Ausnahme dieses Prinzips. Die Art und Weise, wie wir beten, offenbart, was wir sind.

Am ersten Altar können wir keine einstehenden Gebete darbringen. Der Grund dafür, dass wir solche Gebete am ersten Altar nicht beten können, ist, dass wir noch keine derartigen Personen sind, dass wir einstehende Gebete darbringen können. Denn bisher bist du erst zum ersten Altar gekommen. Diesen musst du gründlich erfahren, und dann zum Tisch, zum Leuchter und der Bundeslade weitergehen. Erst wenn du den zweiten Altar erreichst, kannst du solch eine Person sein, die in der Lage ist, einstehende Gebete darzubringen. Den Räucheraltar zu erreichen weist darauf hin, dass wir den ersten Altar, den Tisch, den Leuchter und die Bundeslade erfahren und bei unserem Bestimmungsort angekommen sind.

FREMDER WEIHRAUCH

Wenn wir am Räucheraltar beten, wird es in unserem Gebet weder fremden Weihrauch noch fremdes Feuer geben. Wenn wir vom Herrn belebt wurden, werden wir erkennen, dass viele Christen mit fremdem Weihrauch oder mit fremdem Feuer beten. Aber Gott möchte, dass wir mit Christus als unserem Weihrauch beten. Dies bedeutet, dass wir mit Christus beten sollten. Wir sollten nicht mit fremdem Weihrauch beten.
Weißt du, was fremder Weihrauch ist? Fremder Weihrauch ist alles, was wir beten, das jedoch nicht Christus ist oder das sich nicht auf Christus bezieht. In der Sicht Gottes ist ein Gebet solcher Art fremd; es ist ein Gebet mit fremdem Weihrauch.

Wenn einige hören, dass fremden Weihrauch darzubringen bedeutet, etwas anderes zu beten als Christus selbst, fragen sie vielleicht: „Meinst du, dass wir für unser Eheleben oder unser Familienleben nicht beten sollten? Sollen wir nicht für unsere praktischen menschlichen Angelegenheiten beten?“ Ich maße mir nicht an, euch zu sagen, wofür ihr beten sollt. Ich kann jedoch sagen, dass du dich selbst fragen musst, wie viel die Dinge, wofür du betest, mit Christus zu tun haben. Wenn du dein Gebetsleben auf diese Weise betrachtest, wirst du herausfinden, wo du bist. Vielleicht wirst du dir dessen bewusst, dass deine Gebete für dein Eheleben nichts mit Christus zu tun haben. Daher sind jene Gebete fremder Weihrauch.

Ich möchte es jedoch klar machen, dass ich nicht meine, wir sollten über unsere persönlichen Angelegenheiten oder für materielle Dinge, die wir brauchen, nicht beten. Mein Punkt hier ist vielmehr, dass wir uns selbst fragen, wie viel unsere Gebete sich auf Christus beziehen. Diese Frage ist ein Test, der offenbaren wird, ob das, was wir beten, wirklicher Weihrauch oder fremder Weihrauch ist.

FREMDES FEUER

Was ist fremdes Feuer. Nach der Vorbilderlehre ist fremdes Feuer jedes Feuer außer dem, das auf dem Brandopferaltar brennt. Das Feuer, das auf dem Altar im äußeren Vorhof brannte, kam aus den Himmeln herab. Nachdem es aus den Himmeln herabgekommen war, brannte jenes Feuer beständig auf dem Altar. Der Weihrauch muss mit dem Feuer vom ersten Altar verbrannt werden. Wenn du Weihrauch mit irgendeinem anderen Feuer verbrennst, dann wird das fremdes Feuer sein.

Fremdes Feuer zu haben heißt, eine Art Ansporn in uns zu haben, der natürlich ist und nicht durch das Kreuz behandelt wurde. Irgendetwas, das noch nicht durch das Kreuz behandelt wurde und uns doch zu beten anregt, ist fremdes Feuer. Wenn wir dies sehen, werden wir erkennen, dass sehr viele Christen von natürlichen Beweggründen angeregt werden zu beten. Ihre Beweggründe wurden vom Kreuz niemals berührt. Das Ergebnis ist, dass sie mit fremdem Feuer beten.

Etwas zu beten, das mit Christus nichts zu tun hat, ist fremder Weihrauch, und mit Beweggründen zu beten, die nicht durch das Kreuz behandelt wurden, heißt, fremdes Feuer zu haben. So können wir in unseren Gebeten vielleicht fremden Weihrauch durch fremdes Feuer darbringen. Wenn wir die Bedeutung und die Ernsthaftigkeit des fremden Weihrauchs und des fremden Feuers sehen, werden wir bekennen, dass viel von unserem Gebet in der Vergangenheit von unseren natürlichen Beweggründen angeregt war. Wir werden auch sehen, dass viel von unserem Gebet nichts mit Christus zu tun hatte. Außerdem werden wir uns dessen bewusst, das wir selbst oft gar nicht in Gott waren, als wir beteten, sondern wir waren im Gegenteil außerhalb von Ihm. Unsere Gebete zeigten, dass wir nicht in Gott waren. Ob wir in Gott sind oder außerhalb von Gott, wird durch die Art und Weise gezeigt, wie wir beten. Unsere Gebete zeigen immer, wo wir sind.

NATÜRLICHE GEBETE

Kürzlich sagte ein Bruder zu mir: „Bruder Lee, du hast durch dein Darreichen der Wahrheit über die Ökonomie Gottes uns unsere himmlische Villa weggenommen. Nun hat es den Anschein, als würdest du uns auch unserer Gebete berauben.“ In einem gewissen Sinne müssen wir alle unserer natürlichen Gebete beraubt werden. Es kann sein, dass in der Zukunft nicht so viel von dem Gebet, das in den Versammlungen dargebracht wird, natürlich sein wird. In diesem Sinne wird es vielleicht weniger Gebet unter uns geben.

In meiner Jugend schätzte ich das Buch von R. A. Torrey darüber, wie man beten soll. Ich schätzte jenes Buch sehr und las es einige Male und übertrug das in die Praxis, was ich las. In den frühen Tagen half mir jenes Buch in der Tat. Wenn ich mich richtig erinnere, sagt uns dieses Buch, dass wir zuerst unsere Sünden bekennen müssen, um zu beten. Dann werden wir in der Lage sein zu beten. Dies heißt jedoch nur, zum ersten Altar zu kommen. Schließlich erkannte ich nach Jahren der Erfahrung, dass Torreys Buch über das Gebet grundlegend ist. Dann las ich andere Bücher über das Gebet, insbesondere das Buch von Andrew Murray mit dem Titel Mit Christus in der Schule des Gebetes. Dieses kann als das tiefste Buch über das Gebet angesehen werden, dennoch vermittelte es meinem Geist nicht viel Hilfe.

Anstatt Bücher darüber zu lesen, wie man betet, müssen wir diese Botschaften über den Räucheraltar verdauen. Ich kann euch zwar nicht sagen, wie man beten soll. Aber ich versichere dir, wenn du nach diesen Botschaften über den Räucheraltar betest und sie eine gewisse Zeit in die Praxis umsetzt, wirst du im Hinblick auf das Gebet eine andere Person werden.

In der Vergangenheit war deine Art und Weise zu beten, natürlich und religiös. Ich muss bekennen, dass ich ebenfalls auf natürliche, religiöse Weise gebetet habe. Jeder kann in Zeiten der Prüfung oder Not beten und Gott anrufen. Aber wo sind die meisten Menschen, wenn sie zu Gott beten? Du kannst sicher sein, sie sind nicht im äußeren Vorhof der Stiftshütte, geschweige denn in der Stiftshütte selbst.

WAS GOTT MÖCHTE

Was Gott möchte, ist das Gebet am Räucheraltar. Wie wir gezeigt haben, ist ein Gebet dieser Art ein einstehendes Gebet. Immer, wenn wir unseren Mund auftun, um am Räucheraltar zu beten, werden unsere Gebete nicht für uns selbst sein, sondern stattdessen werden unsere Gebete für den ewigen Plan Gottes sein, für Seine Wiedererlangung, für Sein Vorangehen und für alle Seine Gemeinden. Unser Gebet wird zeigen, wo wir sind, und wer wir sind.

In diesen Botschaften haben wir bestimmte tiefere Gesichtspunkte behandelt, die sich auf das Gebetsleben beziehen. Wir alle müssen diese Wahrheiten in die Praxis umsetzen. Dies kann uns helfen, mehr zu beten, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass wir nicht auf eine formale Weise beten müssen; wir brauchen keine natürlichen, religiösen Gebete darzubringen. Im Gegenteil, wenn wir an unserem Bestimmungsort, dem Räucheraltar, ankommen, werden wir zu jenen, die einstehen. Den ganzen Tag lang werden wir für andere und für die Interessen des Herrn einstehen. Ein Gebet dieser Art ist für Gott ein wohlriechender Weihrauch. Dieses Gebet erfüllt Gottes Vorsatz, stillt Seinen Hunger und erfreut Sein Herz. Wenn wir auf diese Weise beten, wissen wir, dass wir in Wahrheit mit dem Herrn eins sind. Durch unsere Gebete des Einstehens sind wir mit Ihm am Räucheraltar eins.

Lebensstudium des 2. Buches Mose, Band 7, Botschaft 147, S. 1767-1773)

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