Die inneren und die verborgenen Teile
Die drei Teile des Geistes – Gewissen, Gemeinschaft, Intuition
Demzufolge ist der Geist eine vollständige Einheit, die aus drei Teilen oder Funktionen besteht; er setzt sich zusammen aus dem Gewissen, der Gemeinschaft und der Intuition.
Sehr leicht versteht man das Gewissen. Diesen Teil kennen wir alle gut. Eine Funktion des Gewissens besteht darin, das Richtige vom Falschen zu unterscheiden, eine weitere darin, zu verurteilen oder zu rechtfertigen. Auch die „Gemeinschaft“ kann man leicht erfassen: es ist der Bereich unserer Gemeinschaft mit Gott. Diese Funktion in unserem Geist macht es möglich, mit Gott in Verbindung zu treten. Einfach gesagt bedeutet Gemeinschaft, dass wir Gott berühren. Demgegenüber fällt es nicht so leicht, die Intuition zu verstehen. Intuition bedeutet, dass wir ein direktes Empfinden oder Wissen haben. Es gibt solch einen Sinn, solch ein direktes Empfinden in unserem Geist, und zwar unabhängig von unseren Überlegungen, unseren augenblicklichen Umständen und unserer Vorgeschichte. Dieses Empfinden reagiert jenseits von unserer Vernunft, es ist nicht „vernünftig“. Es ist ein Empfinden und ein Wissen, das direkt von Gott kommt. Diese Funktion nennen wir die Intuition des Geistes. Demnach kennen wir den Geist durch die Funktionen des Gewissens, der Gemeinschaft und der Intuition.
Dass der menschliche Geist aus diesen drei Teilen besteht, muss jedoch noch anhand der Schrift bewiesen werden. Zunächst einmal sagt uns Römer 9:1 in Bezug auf das Gewissen: „Mein Gewissen legt zusammen mit mir im Heiligen Geist Zeugnis ab.“ Ein Vergleich von Römer 9:1 mit Römer 8:16 lässt erkennen, dass das Gewissen sich im menschlichen Geist befindet. Einerseits gibt der Heilige Geist Zeugnis mit unserem Geist, andererseits aber gibt unser Gewissen Zeugnis mit dem Heiligen Geist. Demzufolge muss das Gewissen eine Funktion unseres Geistes sein. In 1. Korinther 5:3 spricht der Apostel Paulus davon, dass er in seinem Geist einen sündigen Menschen gerichtet hat. Jemanden zu richten bedeutet, ihn entweder zu verurteilen oder zu rechtfertigen, was beides eine Reaktion unseres Gewissens ist. Der Apostel jedoch sagt, er habe das Urteil in seinem Geist gefällt. Dies bestätigt, dass sich die Funktion, die verurteilt oder rechtfertigt, im Geist befindet; infolgedessen gehört das Gewissen zum Geist. Psalm 51:12 spricht von einem „reinen Geist“, das heißt von einem Geist, der ohne Falsch ist. Recht und Unrecht zu unterscheiden ist eine Sache des Gewissens, und so beweist auch dieser Vers, dass sich das Gewissen im Geist befindet. Psalm 34:19 redet von einem „zerschlagenen Geist“, von einem zerknirschten Geist. Wenn wir zerschlagen, zerknirscht sind, bedeutet das: wir sehen ein, dass wir versagt haben, wir klagen uns selbst an und verdammen uns. Und das ist eine Funktion des Gewissens. Der Ausdruck „ein zerschlagener Geist“ macht deutlich, dass das Gewissen zum Geist gehört. In 5. Mose 2:30 heißt es, dass der „Geist verhärtet“ wurde, was bedeutet, dass das Gewissen verhärtet wurde. Wenn der Geist eines Menschen verhärtet ist, heißt das, jener Mensch geht achtlos mit seinem Gewissen um. Schütteln wir die Empfindung in unserem Gewissen einfach ab, dann werden wir im Geist verhärtet. Aufgrund dieser Verse können wir mit Sicherheit sagen, dass die Funktion des Gewissens sich im menschlichen Geist befindet.
Lasst uns nun auch herausfinden, welche Grundlage die Schrift uns in Bezug auf die Gemeinschaft gibt. Zunächst sagt uns Johannes 4:24, dass wir Gott in unserem Geist anbeten müssen. Wer Gott anbeten will, der muss Ihn in seinem Geist anbeten. Die Anbetung Gottes besteht darin, dass wir Gott berühren und mit Ihm Gemeinschaft haben. Dieser Vers beweist, dass die Funktion der Anbetung oder der Gemeinschaft sich in unserem Geist befindet. In Römer 1:9 sagt der Apostel Paulus: „Gott …, dem ich in meinem Geist … diene.“ Dieses Dienen ist ebenfalls ein Bild für die Gemeinschaft mit Gott, so dass wir auch hier bestätigt finden: das Organ für die Gemeinschaft liegt in unserem Geist. Dem muss Römer 7:6 hinzugefügt werden: „so dass wir in Neuheit des Geistes dienen“. Das heißt mit anderen Worten, dass unser Dienst dem Wesen nach die Gemeinschaft mit dem Herrn in unserem Geist ist.
Wie steht es nun mit der Intuition? Man kann zwar in der Schrift keine direkte Aussage über diese Funktion finden, aber es gibt doch einige hilfreiche Verse. 1. Korinther 2:11 offenbart, dass der Geist des Menschen etwas wissen kann, was der Seele verborgen bleibt. Unser Geist hat die Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, welche die Seele nicht wahrzunehmen vermag. Dies beweist, dass es in unserem Geist noch eine zusätzliche Fähigkeit gibt. Unsere Seele kann gewisse Dinge mit Hilfe der Vernunft und einzelner Erfahrungen erkennen, der Geist aber erkennt sie ohne jede andere Hilfe. Die Unmittelbarkeit dieses Empfindens weist darauf hin, dass die Intuition sich in unserem Geist befindet. Dann lesen wir auch in Markus 2:8, dass Jesus „sogleich … in Seinem Geist“ etwas erkannte, in Markus 8:12 heißt es: „Und Er seufzte in Seinem Geist tief auf“, und in Johannes 11:33 wird gesagt, es „erfasste Ihn in Seinem Geist eine heftige Entrüstung“. Wenn wir in unserem Geist etwas erkennen, seufzen oder entrüstet sind, so entspringt dies einem direkten Empfinden, einem Unterscheidungsvermögen, das nicht von der Vernunft abhängt. Dies nennen wir die Intuition, die dritte Funktion unseres Geistes.
(Die Ökonomie Gottes, S. 62–64)
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